Fr 3 Jun 2011
Ganz neue EHEC Bakterien auf dem Vormarsch
Geschrieben von waschecht unter Politik |
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Bei diesem Thema können ja gleich mehrere Ohrfeigen verteilt werden.
Neuartige, schwer verlaufende Darminfektionen machen, offensichtlich ausgehend von Hamburg, die Runde. Das Gesundheitsamt geht auf die Suche nach dem Ursprung. Als Ursache wurden EHEC-Keime bei den Erkrankten gefunden. Nun geht man auf die Suche von welchem Lebensmittel diese stammen könnten. Die Kranken werden befragt was sie gegessen haben. Soweit alles Routine.
In einem Hamburger Großmarkt wird man fündig. Bei einer Lieferung aus Spanien. Auf 4 Gurken, 3 aus Spanien und 1 scheinbar aus den Niederlanden werden EHEC-Erreger ausgemacht (Die Quelle der 4. Gurke wurde bis heute nicht gefunden oder bekannt gegeben). Das Bundesgesundheitsministerium gibt eine Warnung für Tomaten, Gurken und Blattgemüse aus. Diese Gemüse sollten nicht roh verzehrt werden. Inzwischen erkranken noch mehr Menschen. Die Bild-Zeitung bringt einen Bericht über die Gemüseplantagen in Südspanien, wo es angeblich so richtig unhygienisch zugehen soll.
Spätestens hier fängt der normal gebildete Mensch an sich zu fragen was hier noch stimmen kann. Zum einen werden diese Gemüseplantagen nicht mit tierischem Dünger gezogen, die Bewässerung erfolgt über geschlossene Systeme mit sogenannter Tröpfchenbewässerung. Zum anderen dauert der Transport so gut seine 48 Stunden, von der Kooperative bis zu den Kühlhäusern auf Lastern mit Kühlcontainern. An jedem Umschlagplatz werden Proben entnommen. Bis so ein Gemüselaster vom Aufladen bis nach Hamburg gekommen ist, vergehen schon mal 3 Tage. Ein Escherischia Coli teilt sich alle 20 Minuten, unter Laborbedingungen noch schneller, auf einem Kühllaster langsamer.
Nehme ich nur mal an eine Teilung erfolgt wegen der Kühlung jede Stunde und gehen von 10 EHEC-Bakterien auf einer Gurke aus. Innerhalb der 72 Stunden in denen die Gurken unterwegs waren, wären dann auf einer Gurke allein schon nach 10 Stunden 17280 Bakterien zu finden. Ein Teil stirbt nach der Teilung wieder ab, aber mit der Anzahl wären diese Bakterien in Hamburg, überspitzt gesagt, schon mit bloßem Auge zu erkennen gewesen. Nun mußten diese Gurken aber noch in Rom nachgesehen werden, weil sowenig Material auf den Gurken war.
Ob diese Gurken inzwischen von menschlichen Händen einer Qualitätskontrolle unterzogen (also angefaßt, beniest oder behustet) wurden, stand auch nicht drauf.
Bis dahin waren schon wieder mehr Menschen in Norddeutschland erkrankt, davon einige schwer mit HUS, die erste Patientin starb. In anderen europäischen Ländern erkranken ebenfalls Leute, sie waren alle vorher in Deutschland. Eine Schweizerin hat sich offensichtlich an der Salatbar angesteckt.
Man bekommt den Eindruck alle Erkrankten seien Vegeganer, sie haben kein Fleisch, keine Eier, keine Wurst, keine Milchprodukte oder andere Lebensmittel gegessen? Nur die Gurken die es sonst auch gibt?
Nun sind die Gurken aus dem Verkehr, die Landwirte egal wo in Europa werfen ihren Ernten weg, viele kaufen keine Gurken, Tomaten und Blattsalate mehr. Die Warnung vor den Gurken wird aufgehoben, es waren die “falschen” Erreger auf den Gurken, wie gesagt ganz wenig, man mußte nochmal nachzüchten. Obwohl diese Gurken bis dahin sicher schon durch einige “Hände” gegangen sind, bevor sie überhaupt im Labor landeten. Auf Tomaten und Blattsalaten wurde auch nichts gefunden.
Und die Salatbars sind wohl alle noch offen, man hat ja nur was im Großmarkt gefunden?
Inzwischen neue Meldungen, es ist ein ganz neuer Keim der sich aus 2 Escherichia Colis zusammen gebildet hat, mit einer höheren Haftfähigkeit im Darm und offensichtlicher resistenter gegen die Magensäure im menschlichen Magen. Und wohl mit einer höheren Vermehrungstätigkeit, denn es genügen ganz wenig Exemplare um zu erkranken.
Wo kann denn sowas nun passieren? Auf Gurken und Gemüse sicher nicht. Dort ist dieser Keim nicht zuhause und hat kaum die richtigen Nährbedingungen. Es ist ein Darmkeim der in den Eingeweiden von Kühen, Schafen und Ziegen zuhause ist und dort nichts ausmacht. Er wird durch kontaminiertes Fleisch, Milch- und Milchprodukte, Gülle oder Mist in die Nahrungskette gebracht.
Also mache ich nochmal einen Ausflug in die medizinische Literatur bezogen auf hämolytische Colibakterien, die sich seit den 80er Jahren immer breiter machen. Im Jahr werden 900 – 1200 Erkrankungen gemeldet, so gut wie immer mit einer leicht steigenden Tendenz jedes Jahr. Meldepflichtig sind Erkrankungen mit dieser Keimgruppe seit 2001. Zahlen gibt es dazu in den USA und in Europa. Entdeckt und benannt werden sie seit den 80er Jahren.
In den letzten Tagen wird immer öfter eine Studie, die im Scienemag.org 1998 zitiert wird, genannt. Demnach sind immer mehr Tiere höher mit diesem Keim belastet als noch vor den 80er Jahren. 50%, also jedes 2. Tier scheint mit EHEC höher belastet zu sein und scheidet entsprechend mehr Bakterien aus. Diese genannte Studie ist schon etwas älter, die Keimzahl kann heute durchaus noch höher sein. Offenbar, zumindest in dieser durch Emperie und Labortests herausgebildeten Theorie, werden die Tier nicht artgerecht gefüttert, sie erhalten mit Getreide angereichertes Futter statt nur Heu und Gras. Durch den höheren Getreideanteil ändert sich der PH-Wert im Verdauungstrakt der Tiere, er wird saurer und so können sich diese Keime schon mal auf die saure menschliche Magensäure “trainieren”, sie macht ihnen weniger aus. Wenn mehr Bakterien im Darmtrakt vorhanden sind, können auch leichter bei Schlachtungen, auf dem Bauernhof, in Streichelzoos und anderen Verwertungen des Fleisches diese Bakterien weiter gereicht und konserviert werden bis sie dann im menschlichen Darm landen.
Wenn man nun weiß daß gerade in Norddeutschland viele Viehzuchtanstalten existieren, sollte man sich vielleicht doch mal in diesen Anstalten über die Fütterei informieren und sich in einem Schlachthof umsehen. Zum Beispiel wo die hochbelasteten Gedärme entsorgt werden und wie und ob diese weiter gegeben und verwertet werden. Denn dieser Keim ist nicht primär auf Gemüse zuhause, schon garnicht dort wo es so gut wie keine Viehzucht gibt. Da halte ich persönlich die Möglichkeit daß Fleisch und Gemüse nicht sachgerecht zusammen verarbeitet wurden, für wahrscheinlicher als eine Mutation innerhalb von 3 Tagen in einer Gemüseplantage durch die mit Sicherheit keine Kühe und Schafe getrieben werden und keine Gülle verwendet wird. Es gibt dort so gut wie keine Viehzucht (in der Wüste leben Rinder einfach schlecht) die gibt es in Nordspanien.
Insgesamt betrachtet, hier haben Gesundheitsbehörden schlicht ihre Inkompetenz bewiesen. Quasi auf ein Abebben der “Gurkenquelle” zu warten und dann man gucken obs klappt, hat schon jeder Bakterienlogik vom Zeitablauf her entbehrt. So wurde wertvolle Zeit vergeudet und es werden noch mehr erkranken und sterben müssen wenn nicht endlich artfremde Fütterung generell in der Zucht verboten wird.
Jede Änderung des “Speiseplans” von Zuchttieren hat Auswirkungen auf die Nahrungskette.
